13. Januar 2003
Kammermusiksaal der Philharmonie

The Messiah

Programm

Georg Friedrich Händel
The Messiah

Mitwirkende

Berliner Figuralchor
Berlin Baroque
Gerhard Oppelt - Leitung

Stephanie Petit-Laurent, Sopran
David Cordier, Altus
Volker Arndt, Tenor
Jörg Gottschick, Bariton

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Händels Messias in einer gelungenen Aufführung

Von Nancy Chapple

Von den ersten Tönen war es klar: wir haben es mit einer hellwachen, rhythmisch lebhaften Auffassung der Barockmusik zu tun. Gerhard Oppelt gehört zu der Musikergeneration der letzten Jahrzehnte, die durch Rückbesinnung auf ursprüngliche Aufführungspraxis und lebendigen Ausdruck unser Verständnis von Bach, Händel und anderen Komponisten wesentlich erneuert hat. Obwohl im persönlichen Auftritt eher zurückhaltend, war stets deutlich, dass er für die musikalische Gestaltung des ganzen Abends verantwortlich zeichnete.

Die Solisten waren professionell und überzeugend, auch der kurzfristig eingesprungene Tenor. Die hohen Töne im Altus (David Cordier) waren glockenklar und voll; eher fehlte im tieferen Register der satte Klang. Bei ihren höchsten Tönen sang Stephanie Petit-Laurent unglaublich schön: absolut sauber, toll phrasiert. Der Chor war gut intoniert, rhythmisch präzise und bei dem monumentalen Werk durchgehend voll konzentriert, allerdings waren manche ihrer Einsätze etwas zu leise.

Originalinstrumente sind bekanntlich etwas heikel in der Stimmung und diese Aufführung war leider keine Ausnahme: die zwei Geiger, obwohl perfekt im Wechselspiel, waren oft leicht auseinander in der Stimmung und auch der instrumentalen Klangfarbe; die durch die Barocktrompete geprägte Arie "The trumpet shall sound" gegen Schluß des Oratoriums ging gründlich daneben; trotz tadelloser musikalischen Phrasierung hatten auch die Blockflöten ihre Schwierigkeiten mit der wohl steigenden Temperatur im Saal. Gelegentlich schroffe Passagen in den Geigen waren aber gewollt, ein schöner Effekt um Dramatik darzustellen. Die große Hingabe und offensichtliche Freude, mit der die Instrumentalisten ans Werk gingen, war ansteckend.

Im ersten Teil wurde die Begeisterung und Professionalität der Ausführenden sehr deutlich. Die Pause wirkte wie ein Bruch, aber die Stimmung wurde schnell durch die Intensität der Arien und Chöre der zweiten Hälfte (die hier aus einem stark gekürzten Teil 2 und dem ganzen dritten Teil bestand) mit manchen der anrührendsten Stücke des Oratoriums wieder hergestellt.
Zum Beispiel der im sehr gehaltenen Largo gesungene Chor "Behold the Lamb of God" war in einer wunderschönen Mollfarbe und absolut stimmig, wie auch die folgende Altus-Arie "He was despised". Den Chor "Let us break their bonds asunder" konnte man buchstäblich verstehen: das Joch der Unfreiheit sollte abgenommen werden.
Der berühmte "Halleluja"-Chor fing hier sehr leise an und die Stimmen arbeiteten schön gegeneinander in überzeugender Polyphonie. Obwohl rhythmisch exakt und der Dramatik angemessen, war die Pauke übertrieben laut.

Als Fazit bleibt insgesamt ein gelungener, sogar mitreißender Abend.



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