21. Oktober 2007
Kammermusiksaal

Musikalischer Herbstbeginn

Auftakt der Reihe Liedkunst - Kunstlied mit Thomas Quasthoff und Michael Schade

Programm

Felix Mendelssohn Bartholdy: Drei Duette
Ich wollt', mein Lieb' ergösse sich, op. 63 Nr. 1
Abschied der Zugvögel, op. 63 Nr 2
Herbstlied, op. 63 Nr. 4

Wolfgang Amadeus Mozart: Vier Lieder
Das Veilchen KV 476
An Chloe KV 524
Komm, liebe Zither KV 351
Abendempfindung KV 523

Franz Schubert: Vier Lieder
Heidenröslein D 257
Im Frühling D 882
Auf der Bruck D 853
Normans Gesang D 846

Robert Schumann: Fünf Duette
Wenn ich ein Vöglein wär', op. 43 Nr. 1
Schön Blümelein, op. 43 Nr. 3
Herbstlied, op. 43 Nr. 2
Intermezzo, op. 74 Nr. 2
Blaue Augen hat das Mädchen, op. 138 Nr. 9

Wolfgang Amadeus Mozart: Zwei Duette aus Cosi fan tutte KV 588
Nr. 21 "Secondate, aurette amiche"
Nr. 7 "Al fato dàn legge"

Robert Schumann: Vier Lieder
Mein schöner Stern!, op. 101 Nr. 4
Dein Angesicht, op. 127 Nr. 2
Waldesgespräch, op. 39 Nr. 5
Mondnacht, op. 39 Nr. 5

Johannes Brahms: Vier Lieder
Wie rafft' ich mich auf in der Nacht, op. 32 Nr. 1
Sapphische Ode, op. 94 Nr. 4
Wie bist du, meine Königin, durch sanfte Güte wonnevoll!, op. 32 Nr. 9
Unüberwindlich, op. 72 Nr. 5

Wiener Lieder Medley:
Wien, du Stadt meiner Träume (Rudolf Sieczynski)
Wiener Fiakerlied (Gustav Pick)
Im Prater blüh'n wieder die Bäume (Robert Stolz)
Hobellied aus "Der Verschwender" (Conradin Kreutzer)

Mitwirkende

Thomas Quasthoff - Bariton
Michael Schade - Tenor
Justus Zeyen - Klavier

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Musikalischer Herbstbeginn

Auftakt der Reihe Liedkunst - Kunstlied mit Thomas Quasthoff und Michael Schade

Von Fabienne Krause

Was würden wohl zwei berühmte Sänger nach einem Abend gesungenen Liedgutes über sich hören wollen? Natürlich, dass das Publikum gut unterhalten oder sogar ergriffen und dass ihre Sangesleistung vortrefflich war. All das kann man Thomas Quasthoff und Michael Schade nach dem Abend im Kammermusiksaal der Philharmonie bestätigen.

Michael Schade / Thomas Quasthoff

Gleich bei den ersten Strophen der herbstlichen drei Duette von Felix Mendelssohn Bartholdy konnte man sich entspannt zurücklehnen in Erwartung eines Abends erfüllt von genussvollem Ohrenschmaus. Der Funke der offensichtlichen Freude des gemeinsamen Singens sprang sofort auf das Publikum über. In ausgefeilter Einigkeit harmonierten beide Stimmen perfekt und blieben doch in ihrem ganz eigenen Wesen bei sich: Michael Schade mit seinem sehr reinen, eleganten Tenor und Thomas Quasthoff mit seinem griffigen, nachhaltigen Bariton. Wie beim Schlagabtausch brillierte dann jeder für sich auch im Solo mit Liedern von Mozart und Schumann (Schade) sowie Schubert und Brahms (Quasthoff). Hinreißend das mit zutiefst unschuldigem Gestus vorgetragene Veilchen (KV 476), überaus bewegend die Seele ausspannende Mondnacht (Schumann, op. 39 Nr. 5). Quasthoff bediente dann auch noch in süffisant komischer Manier mit dem Lied Überwindlich (Brahms, op. 72 Nr. 5) die heiteren Emotionen: Der Schluckauf eines gespielten Trunkenboldes landete selbstredend einen Volltreffer im Publikum. Nicht unerwähnt lassen darf man den Pianisten Justus Zeyen, der sowohl begleitende Zurückhaltung in den Strophenliedern als auch solistische Einwürfe in den durchkomponierten Stücken beherrschte.

Also ein gelungener Auftakt in dieser Spielzeit der neuen Reihe Liedkunst - Kunstlied mit Kurator Quasthoff. Berühmte Kollegen und Studierende der Liedkunst sollen ihn hierbei durch die Spielzeit 2007/2008 begleiten. Ein Leitgedanke des berühmten Baritons dabei ist wohl die Wahrung des deutschen Liedgutes.

Um die in der Romantik verwurzelte Liedtradition aufrechtzuerhalten und gleichzeitig mit der Reihe auch einen gewissen Sonderstatus mit Beliebtheitsfaktor beim Publikum zu erhaschen, versuchte Quasthoff an diesem Abend das "Zusammensein" aufzulockern. Gleich zu Beginn begrüßte er mit den Worten "Man weiß hier immer nie, wohin man sich zuerst verbeugen soll". Womit er auch gleich den Nagel auf den Kopf traf: Eine ansatzweise Lagerfeueratmosphäre in einem Saal mit knapp 2.000 Personen zu erzeugen, ist wahrlich schwer. Fast schien er sich zwischenzeitlich die Gunst des Publikums sogar verscherzt zu haben. Er rügte nämlich nach etlichen Hust-Attacken genervt das Publikum ("Wenn sie husten, dann bitte nach den Stücken"). Mit dem Wiener Lieder-Medley (gewidmet der gemeinsamen, in Wien lebenden Agentin von Quasthoff und Schade) konnten die beiden im Duett das Publikum selbstverständlich wieder für sich gewinnen. Vor allem durch die einleitenden Worte, bei der sich Quasthoff aus einer Mischung Wiener und Berliner Dialekte ganz comedian-like hervortat.



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