2. Oktober 2011
Staatsoper im Schiller-Theater

Der doppelte Leoš - Teil 2

Zwei Janáček-Opern, ein (verlängertes) Wochenende

Programm

Leoš Janáček
Aus einem Totenhaus



Lesen Sie auch: Der doppelte Leoš - Teil 1

Mitwirkende

Staatsoper Unter den Linden
Musikalische Leitung: Simon Rattle
Inszenierung: Patrice Chéreau
Künstlerische Mitarbeit: Thierry Thieû Niang
Bühnenbild: Richard Peduzzi
Kostüme: Caroline de Vivaise
Licht: Bertrand Couderc
Chöre: Eberhard Friedrich

Alexander Petrowitsch Gorjantschikow: Willard White
Alej: Eric Stoklossa
Filka Morozow (Luka Kusmitsch): Štefan Margita
Der große Sträfling: Peter Straka
Der kleine Sträfling: Vladimír Chmelo
Der Platzkommandant: Jiří Sulženko
Der ganz alte Sträfling: Heinz Zednik
Skuratow: John Mark Ainsley
Tschekunow: Ján Galla
Der betrunkene Sträfling: Florian Hoffmann
Der Koch / Der Schmied: Alfredo Daza
Der Pope: Arttu Kataja
Der junge Sträfling: Olivier Dumait
Dirne: Susannah Haberfeld
Sträfling in der Rolle Don Juans und des Brahminen: Ales Jenis
Kedril: Marian Pavlovič
Schapkin: Peter Hoare
Schischkow: Pavlo Hunka
Tscherewin / Wache: Stephan Rügamer

Staatskapelle Berlin, Staatsopernchor, Komparserie

Leserbrief/readers comment Druckversion/printversion

Der doppelte Leoš - Teil 2

Zwei Janáček-Opern, ein (verlängertes) Wochenende

Von Heiko Schon / Fotos: Monika Ritterhaus

Ursachen kann es manchmal viele geben. Aber mitunter sucht man ewiglich nach einem Grund - und kann keinen finden. Nichts gegen Leoš Janáček, aber es fällt natürlich auf, wenn jedes der drei Opernhäuser in dieser Spielzeit eine Oper des tschechischen Komponisten neu in Szene setzen lässt. Man schlägt nach. Komisch. Kein runder Geburtstag, der Todestag passt nicht und die Daten der Uraufführungen lassen sich auch in keinen logischen Zusammenhang stellen. Es gibt also kein Janáček-Jahr! Wahrscheinlich waren sich die Verantwortlichen bei der Abstimmung ihrer Programmpläne in diesem Punkt schnell einig gewesen: Man benötigt doch keinen Anlass zum Feiern! Bevor also im Frühjahr Regisseur Christof Loy mit Jenufa sein überfälliges Berlin-Debüt geben wird (Deutsche Oper / 4. März 2012), servierten jetzt Komische und Staatsoper innerhalb von 24 Stunden ihre Eröffnungspremiere - jeweils mit Janáček.


***


Aus einem Totenhaus - Staatsoper Berlin
Foto: Monika Ritterhaus

In Bezug auf die eingangs erwähnten Neuinszenierungen muss an dieser Stelle kurz zurückgerudert werden: Die Regiearbeit von Patrice Chéreau wurde bereits sehr erfolgreich in Wien (Umfrage Opernwelt: "Aufführung des Jahres 2007"), Amsterdam, Aix-en-Provence, New York und Mailand gezeigt. Jetzt macht diese Produktion von Aus einem Totenhaus für sechs Vorstellungen in Berlin Station. Der überwiegende Teil der Sänger war bereits bei der Premiere in Wien mit an Bord, dennoch leitete Chéreau höchstpersönlich die Proben in Berlin. Anders wäre wohl kein so komplexer Theaterabend entstanden…


Aus einem Totenhaus - Staatsoper Berlin
Foto: Monika Ritterhaus

Die Geschichte um die wiederum einzelnen Episoden der Inhaftierten bildet genau das richtige Fundament für einen Regisseur, der eigentlich vom Film kommt. Wie gern würde man aufstehen und vorn an die Rampe rennen, um in diese Gesichter zu blicken, um ganz nah am Geschehen zu sein, um mitzufühlen, mitzuleiden. Vor allem die Sänger der langen Solo-Passagen - Pavlo Hunka (Schischkow), John Mark Ainsley (Skuratow) und Štefan Margita (Filka Morozow / Luka Kusmitsch) - können daraus singschauspielerisches Kapital schlagen und bringen große Momente zustande.


Aus einem Totenhaus - Staatsoper Berlin
Foto: Monika Ritterhaus

Ob man aber mit Sir Simon Rattle den richtigen Mann für diese Art von Werk in den Graben gestellt hat - daran scheiden sich die Geister. Rattle zieht diese Musik eher von hinten auf, für ihn ist Janáček kein Wegbereiter der modernen Töne, sondern eher ein Spätromantiker, fast ein Smetana. Rattle dirigiert mit Drive, es ist klanglich intensiv, ästhetisch auch - aber, mit Verlaub, darum geht's hier eigentlich nicht. Es muss viel mehr wehtun in den Ohren. Und so bleibt die Theateraufführung im zweiten Akt, wo sich das Gefängnis in den Köpfen der Insassen kurz aufzulösen scheint, die einzige Stelle, wo Rattles Lesart passt.


***

Lesen Sie auch: Der doppelte Leoš - Teil 1



©www.klassik-in-berlin.de